Aktualisierte Leitlinien zur Behandlung des akuten Koronarsyndroms in den USA

Das akute Koronarsyndrom stellt eine der häufigsten Ursachen kardiovaskulärer Morbidität und Mortalität dar. Die 2025 ACC/AHA-Leitlinie enthält neue evidenzbasierte Empfehlungen zur Diagnostik, Therapie und Sekundärprävention, um die Behandlung weiter zu verbessern.

Herzinfarkt Frau

Akutes Koronarsyndrom mit hoher klinischer Relevanz

Das akute Koronarsyndrom (ACS) umfasst eine Reihe kardialer Notfälle, die durch eine akute Minderversorgung des Herzmuskels mit Sauerstoff gekennzeichnet sind. Dazu zählen die instabile Angina pectoris, der Nicht-ST-Hebungsinfarkt (NSTEMI) und der ST-Hebungsinfarkt (STEMI). Laut aktuellen epidemiologischen Daten erleiden jährlich über 800.000 Menschen in den USA einen Myokardinfarkt, was die hohe klinische Relevanz dieses Krankheitsbildes unterstreicht.

Neue 2025 ACC/AHA-Leitlinie zielt auf bessere Prognose für ACS-Patienten ab

Die neue Leitlinie von ACC (American College of Cardiology) und AHA (American Heart Association) zur Behandlung von ACS aktualisieren frühere Empfehlungen und integrieren neue Evidenz in die klinische Praxis. Ziel dieser Leitlinien ist es, die Prognose der Patienten durch optimierte medikamentöse und interventionelle Therapien sowie eine verbesserte Sekundärprävention weiter zu verbessern.

Neue Empfehlungen zur medikamentösen Therapie

Die antithrombotische Therapie ist ein essenzieller Bestandteil der ACS-Behandlung. Die aktualisierte Leitlinie betont die Bedeutung der dualen Thrombozytenaggregationshemmung (DAPT) mit Acetylsalicylsäure (ASS) und einem P2Y12-Inhibitor (z. B. Ticagrelor oder Prasugrel).

  • Patienten mit ACS sollten mindestens 12 Monate lang DAPT erhalten, sofern kein hohes Blutungsrisiko besteht.
  • Für Patienten mit hohem Blutungsrisiko gibt es mehrere Deeskalationsstrategien, etwa auf eine P2Y12-Monotherapie oder bei Patienten mit Indikation für eine orale Antikoagulation, das Absetzen von, beispielsweise, Acetylsalicylsäure.
  • Bei Hochrisikopatienten mit erhöhten LDL-Werten (> 70 mg/dL) trotz maximal tolerierter Statintherapie, wird die Kombination mit einem Lipidsenker außerhalb der Statine (z. B. Ezetimib, PCSK9-Inhibitoren) empfohlen.

Darüber hinaus wird die Verwendung von SGLT-2-Inhibitoren und GLP-1-Rezeptoragonisten in der Sekundärprävention empfohlen, insbesondere bei Patienten mit gleichzeitiger Herzinsuffizienz oder Diabetes mellitus.

Interventionelle Therapie und Notfallversorgung bei akutem Koronarsyndrom

Die perkutane Koronarintervention (PCI) bleibt der Standard der akuten Revaskularisation. Die Leitlinie hebt hervor:

  • Die radiale Zugangsroute sollte bevorzugt werden, da sie das Blutungsrisiko und vaskuläre Komplikationen reduziert.
  • Die intravaskuläre Bildgebung (z. B. intravaskulärer Ultraschall, optische Kohärenztomographie) wird zur Optimierung der PCI empfohlen.
  • Bei Patienten mit kardiogenem Schock ist eine sofortige Revaskularisation erforderlich. Der routinemäßige Einsatz einer mechanischen Kreislaufunterstützung bleibt jedoch umstritten, da er mit einem erhöhten Komplikationsrisiko einhergeht. Hier beziehen sich die Experten auch auf neue Daten der Studie DanGer-SHOCK.   

Sekundärprävention und Langzeitmanagement nach ACS

Nach einem ACS ist die Implementierung einer konsequenten Sekundärprävention entscheidend, um kardiovaskuläre Ereignisse zu reduzieren. Die Leitlinie empfiehlt:

  • Eine lipidsenkende Therapie mit einem Zielwert für LDL-Cholesterin < 55 mg/dL bei Hochrisikopatienten.
  • Eine engmaschige Kontrolle der Lipidwerte 4-8 Wochen nach Therapiebeginn und potenziell eine Dosisanpassung.
  • Die Einleitung einer kardiologischen Rehabilitation zur Verbesserung der kardiovaskulären Prognose und Lebensqualität.

Neue Leitlinie als wichtiger Schritt zur optimierten ACS-Therapie

Die 2025 ACC/AHA-Leitlinie stellt einen wichtigen Schritt zur Optimierung der ACS-Behandlung dar. Die aktualisierten Empfehlungen zur Pharmakotherapie, interventionellen Therapie und Sekundärprävention bieten klare Handlungsempfehlungen für medizinische Fachkräfte.

Trotz erheblicher Fortschritte bleiben einige Fragen offen, etwa im Hinblick auf die optimale Dauer der DAPT bei Hochrisikopatienten. Zukünftige Studien sollten sich darauf konzentrieren, diese offenen Fragen zu adressieren und die personalisierte Therapie weiter zu verbessern.

Autor:
Stand:
17.03.2025
Quelle:

Rao et al. (2025): ACC/AHA/ACEP/NAEMSP/SCAI Guideline for the Management of Patients With Acute Coronary Syndromes. JACC-Journals, DOI: 10.1016/j.jacc.2024.11.009

  • Teilen
  • Teilen
  • Teilen
  • Drucken
  • Senden