Gesunde Gefäße – gesunde Nieren: Gefäßschutz als Schlüssel zur CKD-Prävention
Die chronische Nierenkrankheit (CKD) betrifft weltweit etwa 10 bis 15 Prozent der erwachsenen Bevölkerung und zählt zu den führenden Ursachen für Morbidität und Mortalität. In Deutschland sind schätzungsweise 8 Millionen Menschen betroffen, oft ohne es zu wissen. Denn die Erkrankung verläuft über Jahre hinweg asymptomatisch – bis es zu irreversiblen Funktionsverlusten kommt.
Wie die Deutsche Gesellschaft für Nephrologie (DGfN) anlässlich ihrer 17. Jahrestagung betont, ist die enge Verbindung zwischen Gefäß- und Nierengesundheit von zentraler Bedeutung. „Gesunde Nieren brauchen gesunde Gefäße, und gesunde Gefäße benötigen stabile Nierenwerte“, lautet die Kernaussage der Fachgesellschaft.
Bluthochdruck: Der unterschätzte Risikofaktor für Nierenschäden
Ein dauerhaft erhöhter Blutdruck kann die feinen Kapillargefäße der Niere schädigen und deren Filterleistung beeinträchtigen. „Je schlechter die Nieren funktionieren, desto höher steigt meist der Blutdruck“, erklärt Prof. Dr. med. Julia Weinmann-Menke, Pressesprecherin der DGfN und Direktorin der Klinik für Nephrologie, Rheumatologie und Nierentransplantation am Universitätsklinikum Mainz.
Dieser pathophysiologische Kreislauf erhöht nicht nur das Risiko für eine CKD, sondern auch für kardiovaskuläre Komplikationen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall. Daher zählt die konsequente antihypertensive Therapie unter anderem mit ACE-Hemmern, Angiotensin-II-Rezeptorblockern oder neueren Medikamentenklassen, wie sie durch die neue S3-Leitlinie: Versorgung von Patient*innen mit nicht-nierenersatztherapiepflichtiger Nierenkrankheit in der Hausarztpraxis - Chronisch eingeschränkte Nierenfunktion in der Hausarztpraxis, empfohlen wird, zu den wichtigsten Säulen der CKD-Prävention.
Diabetes mellitus als Hauptursache für Dialysepflicht
Langjährig erhöhte Blutzuckerspiegel führen zu mikroangiopathischen Veränderungen in den Nieren, die als diabetische Nephropathie bezeichnet werden. Sie ist die häufigste Ursache für Nierenversagen in Deutschland. „Ein gut eingestellter Blutzucker reduziert das Risiko dieser Veränderungen deutlich“, betont Weinmann-Menke.
Ziel der Therapie ist die Normalisierung des Blutzuckerspiegels. Moderne antidiabetische Wirkstoffe wie SGLT2-Inhibitoren (SGLT2-I) oder nicht-steroidale Mineralokortikoid-Rezeptorantagonisten (MRA, z. B. Finerenon) haben sich dabei nicht nur als blutzuckersenkend, sondern auch als nierenschützend erwiesen. Insbesondere SGLT2-I revolutionieren das Therapiemanagement bei CKD, indem sie das Progressionsrisiko senken, weshalb sie in der neuen S3-Leitlinie als Basistherapie zum Nierenschutz empfohlen werden.
Prävention und Früherkennung: Schlüssel zur besseren Versorgung
Die DGfN empfiehlt, bei Risikopatienten regelmäßig die glomeruläre Filtrationsrate (eGFR) sowie den Albumin-Kreatinin-Quotienten (UACR) zu bestimmen. Diese Parameter erlauben eine frühe Identifikation von Nierenschäden. Allerdings sind sie bislang nicht Bestandteil des allgemeinen Gesundheits-Checks ab 35 Jahren, was die Fachgesellschaft kritisiert. Insbesondere ein zielgerichtetes Screening bei Risikogruppen (z.B. Diabetikern) ist anzustreben. Eine Diagnostik mittels Urin- und Bluttest ist hierbei einfach und kostengünstig umzusetzen.
Neben der medikamentösen Therapie spielt die Lebensstilmodifikation eine wesentliche Rolle: Rauchverzicht, ausgewogene, salzarme Ernährung – idealerweise nach dem Prinzip der mediterranen Diät – sowie regelmäßige körperliche Aktivität und das Vermeiden von Übergewicht können das Risiko einer CKD signifikant reduzieren. Die WHO empfiehlt sich mind. 150 min pro Woche zu bewegen.
Fünf praktische Tipps für gesunde Nierengefäße
- Blutdruck regelmäßig kontrollieren – unter 130/70 mmHg
- Blutzucker im Blick behalten – HbA1c-Wert unter 5,7 % (39 mmol/mol); regelmäßige Kontrolle bei Risikopatienten
- Medikamente gegen Bluthochdruck und Diabetes konsequent einnehmen, denn sie schützen auch die Nieren
- Nierenfunktion regelmäßig prüfen lassen – eGFR (im Serum) und UACR (im Urin) bei Diabetes und Bluthochdruck sowie bei allen im Rahmen des Gesundheits-Checks ab 35 Jahren (auf Anfrage, nicht im Check-up standardmäßig enthalten).
- Lebensstil anpassen – Rauchverzicht, gesunde und salzarme Ernährung (z. B. Mittelmeerdiät), Übergewicht vermeiden, Bewegung gemäß WHO-Empfehlung (mind. 150 Minuten/Woche).
Interdisziplinäre Ansätze und Versorgungslücken
Die im Jahr 2024 veröffentlichte InspeCKD-Studie zeigte, dass die Labordiagnostik zur Früherkennung einer CKD in Hausarztpraxen häufig nicht leitliniengerecht erfolgt. DGfN-Generalsekretärin Dr. med. Nicole Helmbold fordert daher, CKD-Screenings verbindlich in Vorsorgeprogramme zu integrieren.
Sie betont: „Wir müssen das Bewusstsein für die Zusammenhänge zwischen Nieren-, Herz- und Stoffwechselkrankheiten schärfen – sowohl bei Patientinnen und Patienten als auch in der fachübergreifenden Versorgung.“ Die Zusammenarbeit von Nephrologie, Kardiologie, Diabetologie und Hausärzten sei entscheidend, um frühzeitig gegenzusteuern.
Fazit: Prävention statt Spätfolgen
Die Prävention der chronischen Nierenkrankheit beginnt mit der Kontrolle der klassischen Risikofaktoren – Bluthochdruck und Diabetes. Durch regelmäßige Laborkontrollen, konsequente Therapie und gesunden Lebensstil lassen sich Fortschreiten und Folgeschäden deutlich verzögern oder verhindern.
Neue nephroprotektive Therapieoptionen erweitern die Behandlungsstrategien, doch ihr größter Nutzen entfaltet sich nur in Kombination mit frühzeitiger Diagnostik und interdisziplinärer Versorgung. Damit bleibt die CKD-Prävention ein zentrales Anliegen der modernen Nephrologie – zum Schutz der Gefäße, der Nieren und letztlich des gesamten Herz-Kreislauf-Systems.









