Dermatomyositis und Psoriasis als gemeinsame Manifestation

Sowohl Dermatomyositis als auch Psoriasis zählen zu den häufigen entzündlich-autoimmunen Erkrankungen. Neue Daten zeigen, wie selten Dermatomyositis und Psoriasis gemeinsam auftreten und welche Befunde bei betroffenen Patienten dokumentiert wurden.

Psoriasis junge Frau

Die Dermatomyositis (DM) und Psoriasis sind zwei autoimmunvermittelte Erkrankungen mit chronisch-entzündlichem Verlauf, die typischerweise getrennt voneinander auftreten. Während sich die DM vor allem durch eine Entzündung der Muskulatur und kutane Veränderungen manifestiert, ist Psoriasis primär eine Hauterkrankung, die sich unter Umständen auch auf die Gelenke auswirken kann. Trotz der unterschiedlichen Organmanifestationen teilen beide Erkrankungen immunologische Grundlagen. Und dennoch: Ihr gleichzeitiges Auftreten ist bislang nur in Einzelfällen beschrieben worden.

Systematische Auswertung einer seltenen Krankheitskombination

Im Mittelpunkt einer brasilianischen Studie stand die systematische Erfassung und Auswertung von Patienten mit gleichzeitig bestehender Dermatomyositis und Psoriasis (DMP). Hierzu wurden die klinischen Verläufe, laborchemischen Befunde und eingesetzten Therapien der Patienten über einen Zeitraum von 26 Jahren an einem Tertiärzentrum in São Paulo retrospektiv analysiert.

Die Diagnosekriterien für Dermatomyositis und klinisch amyopathische Dermatomyositis (CADM) basierten auf den international etablierten Klassifikationen nach Bohan und Peter bzw. EULAR/ACR. Die Diagnosesicherung für Psoriasis erfolgte durch erfahrene Dermatologen. Ergänzend dazu wurde eine strukturierte Literaturrecherche durchgeführt, um bisher publizierte Fallberichte dieser seltenen Krankheitskonstellation zusammenzufassen und mit den eigenen Daten zu vergleichen.

Neun dokumentierte Fälle in 26 Jahren

Von den insgesamt 331 untersuchten Patienten mit DM oder CADM erfüllten neun die Kriterien für eine zusätzliche Psoriasis-Erkrankung. Vier dieser Patienten hatten eine klassische DM, fünf eine CADM. Zwei Drittel von ihnen waren weiblich, alle Patienten waren weißer Ethnizität. Das mittlere Alter bei der Erstdiagnose von Dermatomyositis lag bei 38 Jahren, bei Psoriasis bei 43 Jahren. Der mediane Abstand zwischen beiden Diagnosen betrug vier Jahre. Die Psoriasis betraf überwiegend die klassischen Areale an Ellenbogen, Knien und Händen, in zwei Fällen zusätzlich die Kopfhaut. Zwei Drittel der Patienten wiesen eine Psoriasis vulgaris auf.

Autoantikörper und Enzymaktivität bei DMP

Alle Patienten wurden umfassend serologisch untersucht. In mehreren Fällen konnten myositisspezifische oder -assoziierte Autoantikörper nachgewiesen werden, darunter Anti-MDA5 (melanoma differentiation-associated protein 5), Anti-PM/Scl (Polymyositis/Sclerodermie-assoziierter Antikörper) und Anti-Ro-52 (SSA-Antikörper).

Die medianen Kreatinphosphokinase- und Aldolasewerte lagen im oberen Normbereich oder waren leicht erhöht. Diese serologischen Befunde trugen entscheidend zur Differenzierung gegenüber anderen Autoimmunmyopathien bei. Die Nachbeobachtungsdauer betrug im Median zehn Jahre.

Behandlungsstrategien und Krankheitsverlauf

Bei allen Patienten kam Methotrexat zum Einsatz, in den meisten Fällen in Kombination mit Azathioprin oder Mycophenolat mofetil. Zur Behandlung der Psoriasis wurden systemische Glukokortikoide eingesetzt, die durch topische Wirkstoffe wie Calcipotriol oder Tacrolimus ergänzt wurden. Zwei Patienten verstarben im Verlauf der Behandlung, sechs wurden nach stabiler Krankheitskontrolle entlassen und ein Patient befand sich weiterhin in Behandlung.

Häufig traten relevante Komorbiditäten auf. Neben arterieller Hypertonie und Diabetes mellitus wurden auch chronische Infektionen wie Varizella-Zoster-Infektionen oder Tuberkulose dokumentiert. Weitere Diagnosen umfassten Myokardinfarkt, Herzinsuffizienz, Osteoarthritis sowie pulmonale Fibrosen.

Literaturübersicht bestätigt Rarität der DMP-Kombination

Im Rahmen der ergänzenden Literaturrecherche wurden 15 Studien mit insgesamt 17 publizierten DMP-Fällen identifiziert. Die Datenlage zeigte eine hohe Heterogenität bezüglich der Diagnosekriterien, der Serologie und der Therapieregime. Klassische DMP und juvenile Verlaufsformen dominierten, während CADM seltener berichtet wurde. In mehreren Fällen fehlten Angaben zu Autoantikörpern oder Laborparametern. Therapeutisch kam auch hier häufig Methotrexat zum Einsatz. Einzelne Berichte wiesen auf mögliche Trigger durch Biologika wie Adalimumab oder Secukinumab hin.

Relevanz für Diagnostik und Therapie in der Praxis

Die gleichzeitige Manifestation von Dermatomyositis und Psoriasis ist eine seltene, aber klinisch relevante Konstellation. Ähnliche kutane Befunde beider Erkrankungen können die Diagnose erschweren oder verzögern. Umso wichtiger ist eine standardisierte Diagnostik mit serologischer Differenzierung und klarer klinischer Abgrenzung. Die vorliegende Fallserie belegt, dass eine gezielte Immunsuppression mit Methotrexat in vielen Fällen zur Kontrolle der Erkrankung beiträgt.

Die Autoren betonen allerdings auch die Notwendigkeit weiterer prospektiver Studien, um die Pathomechanismen und therapeutischen Ansätze bei DMP besser zu verstehen.

Autor:
Stand:
17.06.2025
Quelle:

Pomianoski et al. (2025): Patients with overlapping dermatomyositis and psoriasis: an experience from a tertiary center and review of the literature. Advances in Rheumatology, DOI: 10.1186/s42358-025-00454-7

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