Der Pharmakovigilanz-Ausschuss (PRAC) der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) erinnert Heilberufler an das Risiko schwerwiegender und potenziell tödlicher Nebenwirkungen bei der Kombination von Paxlovid (Nirmatrelvir, Ritonavir) mit bestimmten Immunsuppressiva, die eine enge therapeutische Breite haben [1].
Paxlovid (Nirmatrelvir, Ritonavir) ist ein orales Virostatikum zur Behandlung von leicht bis moderat verlaufender SARS-CoV-2-Infektion bei Erwachsenen, die keine zusätzliche Sauerstoffzufuhr benötigen und ein hohes Risiko für schwere Krankheitsverläufe, Krankenhausaufenthalte oder Tod haben. Die betroffenen Immunsuppressiva gehören zu den Calcineurin-Inhibitoren (Tacrolimus, Ciclosporin) und mTOR-Inhibitoren (Everolimus, Sirolimus). Sie werden zur Behandlung bestimmter Autoimmunerkrankungen eingesetzt oder um die Abstoßung von transplantierten Organen zu verhindern.
Risikobewertung: Wechselwirkungen zwischen Paxlovid und Immunsuppressiva
Der PRAC überprüfte alle verfügbaren Daten, einschließlich Berichte über schwerwiegende Nebenwirkungen (einige davon tödlich), die auf Wechselwirkungen zwischen Paxlovid und Immunsuppressiva zurückzuführen waren. In mehreren Fällen stiegen die Blutspiegel der Immunsuppressiva schnell an und erreichten toxische Niveaus, die potenziell lebensbedrohliche Zustände verursachten. Daher beschloss der Ausschuss, Gesundheitsfachkräfte erneut zu informieren und an das Risiko dieser Wechselwirkungen zu erinnern. Die Risiken sind bereits in den Produkt- und Fachinformationen von Paxlovid aufgeführt.
Risiken und Empfehlungen bei der Kombination von Paxlovid mit Immunsuppressiva
Das Arzneimittel Paxlovid enthält zwei Einzelwirkstoffe in einer Blisterpackung:
- Nirmatrelvir, das als Virostatikum die Replikation von SARS-CoV-2 in den Zellen hemmt.
- Ritonavir, ein Proteaseinhibitor, der den schnellen Abbau von Nirmatrelvir durch das Cytochrom P450-Enzym CYP3A4 in der Leber verhindert. Dieser Prozess, bekannt als "Ritonavir-Boosterung", ist bereits aus der Therapie von HIV-Infektionen bekannt.
Über CYP3A4 werden allerdings noch andere Wirkstoffe abgebaut. Bei einigen, insbesondere Immunsuppressiva, kann die gleichzeitige Verwendung von Paxlovid zu Problemen führen, einschließlich potenziell lebensbedrohlicher Überdosierungen.
„Paxlovid sollte mit Tacrolimus, Ciclosporin, Everolimus oder Sirolimus nur verabreicht werden, wenn eine enge und regelmäßige Kontrolle ihrer Blutkonzentrationen möglich ist, um das Risiko schwerwiegender Arzneimittelwechselwirkungen zu verringern. Gesundheitsfachkräfte sollten sich mit einem multidisziplinären Spezialistenteam beraten, um die Komplexität der gleichzeitigen Einnahme dieser Arzneimittel zu bewältigen“, kommuniziert die europäische Zulassungsbehörde.
Darüber hinaus sollte Paxlovid nicht zusammen mit Arzneimitteln verwendet werden, deren Ausscheidung im Körper maßgeblich von CYP3A abhängt und die einen engen sicheren Dosierungsbereich haben. Der PRAC nennt hier konkret das Immunsuppressivum Voclosporin, das nicht gleichzeitig mit Paxlovid verabreicht werden soll.
Rote-Hand-Brief zu Paxlovid geplant
Vor Beginn einer Paxlovid-Therapie sollten sorgfältig die potenziellen Vorteile einer Behandlung mit Paxlovid gegenüber den Risiken schwerwiegender Nebenwirkungen bei gleichzeitiger Verabreichung mit Immunsuppressiva abgewogen werden, betont die EMA. Die in den Fachinformationen beschriebenen Wechselwirkungen scheinen dabei aber nicht ausreichend Beachtung zu finden. Der PRAC regt deshalb an, medizinisches Personal in den einzelnen Ländern mittels einer „direct healthcare professional communication“ (DHPC) über die Risiken zu informieren. In Deutschland erfolgt diese Kommunikation durch Rote-Hand-Briefe.










