Ivermectin Kompakt

Ivermectin ist ein vielseitiger Wirkstoff mit breitem Einsatzspektrum – von Rosazea bis Skabies.

Ivermectin

Ivermectin – Überblick

  • Anthelminthikum zur Behandlung von: 
    Oral: Wurminfektionen, Skabies (Krätze)
    Topisch: Rosazea
  • FDA-Zulassung zusätzlich für Onchozerkose (Flussblindheit)

Anwendungsgebiete

  • Gastrointestinale Strongyloidiasis (Zwergfadenwurm-Infektion)
  • Lymphatische Filariose (Wuchereria bancrofti)
  • Skabies (Krätze) – klinisch oder parasitologisch gesichert
  • Rosazea – entzündliche Läsionen (papulopustulös)

Darreichungsformen

  • Oral: Tabletten (3 mg), Einnahme auf nüchternen Magen
  • Topisch: Hydrophile Creme (10 mg/g), einmal täglich auf das Gesicht

Wirkmechanismus

  • Gehört zu den Avermectinen (Neurotoxine aus Streptomyces avermitilis)
  • Aktiviert Glutamat-gesteuerte Chloridkanäle → H12 yperpolarisation → neuromuskuläre Paralyse → Tod der Parasiten
  • Keine Wirkung auf adulte Würmer
  • Geringe Affinität zu GABA-Rezeptoren bei Säugetieren
  • Hemmt zusätzlich entzündliche Zytokinproduktion

Pharmakokinetik

  • Resorption: Oral gut, topisch gering; Tmax ≈ 4 h
  • Verteilung: >99 % an Plasmaproteine gebunden; kaum Blut-Hirn-Schranke
  • Metabolismus: CYP3A4 → Hauptmetaboliten (3"-O-Demethyl-, 4a-Hydroxy-Ivermectin)
  • Elimination: Über Fäzes, <1 % renal; HWZ ≈ 12 h (Metaboliten ≈ 3 Tage)

Dosierung

Oral

  • Ab Körpergewicht >15 kg empfohlen
  • Strongyloidiasis: 200 µg/kg
  • Filariose: 150–200 µg/kg alle 6 Monate; alternativ 300–400 µg/kg jährlich
  • Skabies: 200 µg/kg einmalig; ggf. zweite Gabe nach 2 Wochen bei Persistenz

Topisch

  • Rosazea: 1× täglich bis zu 4 Monate; nur Gesicht

Nebenwirkungen

  • Abhängig von Mikrofilarien-Dichte (Entzündungsreaktionen)
  • Oral: Übelkeit, Diarrhoe, Schwindel, Somnolenz, Tremor, selten schwere Hautreaktionen (Stevens-Johnson-Syndrom)
  • Topisch: Brennen, Hautreizungen, Pruritus, trockene Haut (meist mild)

Wechselwirkungen

Kontraindikationen

  • Überempfindlichkeit gegen Ivermectin

Schwangerschaft & Stillzeit

  • Schwangerschaft: Nur bei strenger Nutzen-Risiko-Abwägung (tierexperimentell teratogen)
  • Stillzeit: Übergang in Muttermilch (≥2 %); Anwendung nur nach Risikoabwägung

Verkehrstüchtigkeit

  • Topisch: Kein Einfluss
  • Systemisch: Vorsicht bei Schwindel, Somnolenz, Tremor

Anwendungshinweise

  • Umwelttoxisch für wirbellose Tiere → korrekte Entsorgung
  • Skabies: Kontaktpersonen untersuchen, Hygienemaßnahmen (Nägel, Wäsche)
  • Rosazea: Nur Gesicht, Augen/Lippen aussparen; mögliche kurzfristige Verschlechterung

Alternativen

Hier geht’s zum Langtext Ivermectin

Autor:
Stand:
25.11.2025
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