Jenseits der Haut: Psoriasis als Risikofaktor für Autoimmunerkrankungen

Patienten mit neu diagnostizierter Psoriasis-Erkrankung haben einer Kohortenstudie zufolge ein erhöhtes Risiko für einige Autoimmunerkrankungen. Gemeinsame Pathomechanismen könnten eine Ursache sein.

Risikoanalyse

Psoriasis ist eine chronisch-entzündliche Hauterkrankung, von der etwa 3% der Allgemeinbevölkerung betroffen sind. Charakteristisch sind gut abgegrenzte und schuppige erythematöse Papeln oder Plaques auf der Kopfhaut, den Ellbogen, Knien, Händen, Füßen und am Rumpf. Psoriasis-Patienten können durch systemische entzündungsbedingte Komorbiditäten wie Psoriasis-Arthritis zusätzlich beeinträchtigt sein.

An der Pathogenese sind autoimmune Prozesse beteiligt. So sind autoreaktive T-Lymphozyten, die proinflammatorische Zytokine wie die Interleukine (IL)-17 und 22 sowie Interferon-Gamma (INF-γ) herstellen, charakteristisch für die Erkrankung.

Der Pathomechanismus könnte die Anfälligkeit für weitere Autoimmunerkrankungen wie chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (CED), autoimmune Schilddrüsenerkrankungen, rheumatische Autoimmunerkrankungen oder Alopecia areata erhöhen. Ob Patienten mit neu diagnostizierter Psoriasis tatsächlich häufiger eine Autoimmunerkrankung entwickeln, prüften südkoreanische Wissenschaftler in einer kürzlich im »Scientific Reports Journal« veröffentlichten bevölkerungsbasierten Kohortenstudie.

Auswertung von Versichertendaten

Die Patienten wurden aus der Datenbank der südkoreanischen Krankenversicherung National Health Insurance Service (NHIS) rekrutiert. Die Forscher schlossen Patienten mit neu diagnostizierter Psoriasis-Erkrankung zwischen 2007 und 2019 ein. Vergleichspersonen wurden nach dem Zufallsprinzip ausgewählt und nach Alter und Geschlecht abgeglichen.

Insgesamt wurden 321.354 Patienten mit Psoriasis-Erkrankung und 321.354 Kontrollpersonen in die Studie einbezogen. Das Durchschnittsalter betrug 43,05 Jahre und 58,9% der Teilnehmer in beiden Gruppen waren Männer.

Zu den untersuchten Autoimmunerkrankungen zählten:

Den Charlson Comorbidity Index (CCI) ermittelten die Forscher für die folgenden Komorbiditäten:

Risiko für Autoimmunerkrankungen signifikant erhöht

Das Erkrankungsrisiko war für die Mehrheit der untersuchten Autoimmunkrankheiten bei Patienten mit Psoriasis-Erkrankung signifikant erhöht. So verzeichneten die Forscher mehr Fälle an Morbus Crohn, Colitis ulcerosa, systemischem Lupus erythematodes, rheumatoider Arthritis, Spondylitis ankylosans, Alopecia areata und Typ-1-Diabetes in der Psoriasis-Gruppe. Das Risiko für Morbus Basedow, Morbus Hashimoto, Sjögren-Syndrom und systemische Sklerose unterschied sich zwischen den Gruppen allerdings nicht signifikant.

Subgruppen-Analysen weisen auf Geschlechtsunterschiede hin

Nach Kontrolle von CCI, Komorbiditäten und Versicherungstyp war das Risiko für Diabetes mellitus Typ 1 bei Männern mit Psoriasis-Erkrankung im Vergleich zu männlichen Kontrollpersonen nicht erhöht.

Alle untersuchten Autoimmunerkrankungen mit Ausnahme von Morbus Crohn zeigten ein signifikant höheres Risiko sowohl bei jüngeren (Alter <40 Jahre) als auch bei älteren (Alter ≥40 Jahre) Patienten mit Psoriasis-Erkrankung im Vergleich zur Kontrollgruppe nach Anpassung an Versicherungsart, CCI und Komorbiditäten.

Limitationen

Als Einschränkungen weisen die Autoren darauf hin, dass es zu diagnostischen Ungenauigkeiten gekommen sein könnte, da die Studie auf administrativen Daten basiert. Es wurde nur eine Anzahl ausgewählter Autoimmunerkrankungen bewertet und der Schweregrad der Psoriasis-Erkrankung nur indirekt anhand von Verschreibungsdaten beurteilt.

Obwohl die Ergebnisse der Studie an die Versicherungsart angepasst wurden, die eng mit dem wirtschaftlichen Status zusammenhängt, konnten andere potenzielle Störfaktoren wie Lebensstil und Lebensumfeld nicht angepasst werden.

Fazit: Psoriasis ganzheitlich betrachten

Die Studie zeigt, dass bei Patienten mit neu diagnostizierter Psoriasis ein erhöhtes Risiko für Autoimmunerkrankungen bestehen könnte.

Ein Grund dafür kann laut der Wissenschaftler in den gemeinsamen Pathomechanismen von Psoriasis und einigen Autoimmunerkrankungen liegen. Das Erkrankungsrisiko bei Typ-1-Diabetes und rheumatoider Arthritis könnte beispielsweise mit der Schwere der Psoriasis zusammenhängen.

Die Studie gibt auch Hinweise darauf, dass das Risiko für bestimmte Autoimmunerkrankungen, beispielsweise Typ-1-Diabetes, in einigen Subgruppen, wie bei Männern mit Psoriasis, nicht erhöht ist, was auf die Komplexität der Krankheitsdynamik hinweist. Sie gibt somit wichtige Einsichten für die medizinische Praxis und betont die Notwendigkeit einer ganzheitlichen Betrachtung von Psoriasis, um assoziierte Gesundheitsrisiken frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.

Es besteht jedoch weiterer Forschungsbedarf, um den Zusammenhang zwischen Psoriasis und verschiedenen Autoimmunerkrankungen näher zu untersuchen.

Autor:
Stand:
06.12.2023
Quelle:

Jung et al. (2023): Risk of incident autoimmune diseases in patients with newly diagnosed psoriatic disease: a nationwide population-based study. Scientific reports, DOI: 10.1038/s41598-023-43778-4

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