Bullöses Pemphigoid

Das bullöse Pemphigoid ist die häufigste blasenbildende Autoimmundermatose und tritt vor allem beim älteren Menschen auf. Charakteristisch sind große, stabile Blasen, die narbenlos abheilen. Hauptbestandteil der Therapie sind topische und systemische Glukokortikoide.

Bullöses Pemphigoid

Definition

Das bullöse Pemphigoid ist eine Autoimmunerkrankung mit Autoantikörperbildung gegen hemidesmosomale Strukturproteine, die vorwiegend ältere Menschen betrifft. Die Erkrankung ist charakterisiert durch eine subepidermale Spaltbildung und große, stabile Blasen.

Epidemiologie

Das bullöse Pemphigoid ist mit einem Anteil von ca. zwei Dritteln die häufigste blasenbildende Autoimmunerkrankung. In Europa variiert die Inzidenz zwischen 2,5 und 42,8/Million Einwohner pro Jahr mit besonders hohem Vorkommen in Großbritannien. In Deutschland betrug die Inzidenz zwischen 2001 und 2002 rund 13,4/Millionen Einwohner. Betroffen sind vor allem Patienten über dem 60. Lebensjahr mit etwa gleicher Geschlechterpräferenz. Weltweit lässt sich eine deutliche Zunahme der Inzidenz beobachten, die teilweise durch die zunehmende Lebenserwartung, bessere Diagnostik und Nutzung bestimmter Medikamente erklärt werden kann.

Ursachen

Dem bullösen Pemphigoid liegt eine autoimmunologische Genese zu Grunde. Häufig tritt die Erkrankung spontan ohne offensichtlichen Auslöser auf. In etwa 15% der Fälle können Triggerfaktoren identifiziert werden. Hierzu gehören:

Es bestehen Assoziationen zu Erkrankungen wie Schlaganfall, Morbus Parkinson, Demenz, Multiple Sklerose, Diabetes mellitus, rheumatoide Arthritis, Colitis ulcerosa.

Pathogenese

Charakteristisch für die Autoimmunerkrankung sind IgG-Autoantikörper gegen die hemidesmosomalen Strukturproteine BP180 und BP230, welche die Verankerung der Epidermis mit der Basalmembran gewährleisten. Die Immunkomplexe lagern sich entlang der Basalmembran an und führen zur Komplementaktivierung und Entzündungsreaktion. Durch die Freisetzung proteolytischer Enzyme wird die dermo-epidermale Verknüpfung zerstört, sodass es zur Spaltbildung kommt. Klinisch führen die Flüssigkeitsansammlung und Aufwölbung der Epidermis zur Blasenbildung.

Wie die Erkrankung durch Medikamente oder andere Faktoren ausgelöst wird, ist allerdings noch nicht vollständig geklärt.

Symptome

Im Prodromalstadium können moderater bis starker Pruritus ggf. in Kombination mit Urtikaria und papulären Effloreszenzen auftreten. Dieses Stadium kann Tage bis Monate anhalten und in einigen Fällen die einzige Ausprägung des bullösen Pemphigoids sein. Die Hautmanifestationen sind häufig polymorph. Das klassische bullöse Pemphigoid ist durch stabile, große Blasen mit hämorrhagischem oder serösem Inhalt auf normaler oder erythematöser Haut gekennzeichnet. Eine Ruptur der Blasen führt zu flachen Erosionen und Verkrustungen, die ohne Narbenbildung abheilen. Begleitende Allgemeinsymptome treten in der Regel nicht auf, jedoch leiden die Patienten häufig unter starkem Pruritus.

Prädilektionsstellen sind:

  • Beugeseiten der Extremitäten
  • Axilla
  • Medialer Oberschenkel
  • Rumpf und Abdomen

Die Schleimhäute sind in etwa 10-25% der Patienten betroffen. Bei etwa einem Drittel der Patienten kommt es im Verlauf zu einer spontanen Abheilung nach einigen Monaten.

Diagnostik

Zur Basisdiagnostik gehören die klinische Untersuchung, direkte Immunfluoreszenz, histopathologische und immunserologische Untersuchungen. In der körperlichen Untersuchung zeigt sich das Nikolski-I-Zeichen negativ, d.h. ein Schiebedruck auf gesunder Haut führt nicht zur Blasenbildung.

In der Histologie aus periläsionaler Haut lassen sich eine subepidermale Spaltbildung und ein entzündliches Infiltrat aus neutrophilen und eosinophilen Granulozyten sowie Lymphozyten erkennen. Dieser Befund ist jedoch unspezifisch. Die direkte Immunfluoreszenz weist lineare C3 und IgG-Ablagerungen an der dermo-epidermalen Junktionszone nach. Sie stellt aufgrund der hohen Sensitivität den Goldstandard für die Diagnostik blasenbildender Autoimmundermatosen dar, kann jedoch nicht sicher subepidermale Formen voneinander unterscheiden.

Zur weiteren Differenzierung und Bestätigung der Diagnose können mithilfe von ELISA Autoantikörper nachgewiesen werden, die spezifisch an die NC16A Domäne des Strukturproteins BP180 oder an BP230 binden. Weitere Methoden beinhalten die direkte und indirekte Immunfluoreszenz an humaner, mittels NaCl-Lösung gespaltener Haut, wobei beim bullösen Pemphigoid die Autoantikörper auf der epidermalen Seite (Blasendach) lokalisiert sind.

Differentialdiagnosen

Mögliche Differentialdiagnosen mit entsprechenden Hautmanifestationen sind unter anderem:

  • Pemphigus vulgaris
  • Dermatitis herpetiformis Duhring
  • Kontaktdermatitis
  • Scabies
  • Stevens-Johnson-Syndrom
  • Dyshidrotisches Ekzem

Therapie

Da das bullöse Pemphigoid überwiegend ältere Patienten betrifft, muss die Therapie an die eventuellen Komorbiditäten sowie Bedürfnisse der Patienten angepasst werden. Hauptbestandteil der Therapie sind systemische Glukokortikoide. Bei lokalisierten leichten bis mittelschweren Erkrankungen (weniger als 30% der Körperoberfläche betroffen) können hochpotente topische Glukokortikoide wie Clobetasol eingesetzt werden. Ein Nachteil dieser Therapie besteht darin, dass sie zweimal täglich großflächig appliziert werden muss. Das gelingt nicht allen Patienten.

Zur Vermeidung bakterieller Superinfektionen der Läsionen wird zusätzliche eine antiseptische Lokaltherapie z. B. mit Chlorhexidin, Octenidin oder Triclosan 1% empfohlen. Gegebenenfalls können große Blasen steril unter Erhalt des Blasendachs punktiert werden.

Bei ausgeprägten Fällen sollten systemische Glukokortikoide als Induktionstherapie verabreicht werden. Folgende Wirkstoffe werden als alternative oder adjuvante Therapie zur Glukokortikoid-Therapie empfohlen:

Lässt sich mit den oben genannten Therapien keine klinische Remission erreichen, können hochdosierte intravenöse Immunglobuline, Rituximab oder Immunadsorption/Plasmapherese eingesetzt werden.

Komplikationen

Das bullöse Pemphigoid kann Infektionen der Haut begünstigen, die unter Umständen sehr schwer verlaufen.

Autor:
Stand:
17.01.2024
Quelle:
  1. Alpsoy et al. (2015): Geographic variations in epidemiology of two autoimmune bullous diseases: pemphigus and bullous pemphigoid. Archives of dermatological research, DOI: 10.1007/s00403-014-1531-1
  2. Bertram et al. (2009): Prospective analysis of the incidence of autoimmune bullous disorders in Lower Franconia, Germany. Journal der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft, DOI: 10.1111/j.1610-0387.2008.06976.x
  3. Moro et al. (2020): Bullous Pemphigoid: Trigger and Predisposing Factors. Biomolecules, DOI: 10.3390/biom10101432
  4. Miyamoto et al. (2019): Bullous pemphigoid. Anais brasileiros de dermatologia, DOI: 10.1590/abd1806-4841.20199007
  5. Lai et al. (2016): Bullous pemphigoid and its association with neurological diseases: a systematic review and meta-analysis. Journal of the European Academy of Dermatology and Venereology, DOI: 10.1111/jdv.13660
  6. Bağcı et al. (2017): Bullous pemphigoid. Autoimmunity reviews, DOI: 10.1016/j.autrev.2017.03.010
  7. Deutsche Dermatologische Gesellschaft e.V. (2019): AWMF-S2k-Leitlinie „Diagnostik und Therapie des Pemphigus vulgaris / foliaceus und des bullösen Pemphigoids“. Version 2.0, Verfügbar unter: https://register.awmf.org/assets/guidelines/013-071l_S2k_Diagnostik-Therapie-Pemphigus-vulgaris-foliaceus-bulloese-Pemphigoids_2019-10-verlaengert.pdf, Aufgerufen am: 22.12.2023
  8. Baigrie (2023): Bullous Pemphigoid. In: StatPearls [Internet]. Treasure Island (FL): StatPearls Publishing, verfügbar unter: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK535374/, aufgerufen am: 22.12.2023
  9. Weigand (1989): Direct immunofluorescence in bullous pemphigoid: effects of extent and location of lesions. Journal of the American Academy of Dermatology, DOI: 10.1016/s0190-9622(89)70054-2
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