Splenomegalie

Splenomegalie bezeichnet eine krankhafte Vergrößerung der Milz, meist als Zufallsbefund. Ursachen sind u.a. gestörter Blutabfluss, Infiltration oder Überfunktion. Komplikationen wie Hypersplenismus und Panzytopenie können eine Splenektomie notwendig machen.

Splenomegalie-Milz

Definition

Die Splenomegalie beschreibt eine pathologische Vergrößerung der Milz, die anhand ihrer Länge (über 12 cm kraniokaudal), ihres Gewichts (über 400 g) oder bildgebend diagnostiziert wird. Eine besonders ausgeprägte Form, die sogenannte massive Splenomegalie, liegt bei einer Längenausdehnung über 20 cm oder einem Gewicht über 1000 g vor. Die Milz liegt intraperitoneal im linken Oberbauch, grenzt an Magen, linke Niere sowie das Kolon an und ist unter normalen anatomischen Bedingungen nicht tastbar.

Funktionell nimmt die Milz zentrale Aufgaben im hämatologischen und immunologischen Gleichgewicht des Körpers wahr. Sie entfernt gealterte oder veränderte Erythrozyten, opsonierte Thrombozyten und Leukozyten sowie Mikroorganismen und Antigene aus dem Blutkreislauf. Darüber hinaus fungiert sie als sekundäres lymphatisches Organ und ist zentral für Reifung, Differenzierung und Speicherung von T- und B-Lymphozyten. Reife B-Zellen produzieren hier Immunglobulin G (IgG), stimuliert durch Interaktion mit T-Zellen. Zusätzlich synthetisiert die Milz Immunpeptide wie Properdin und Tuftsin. Etwa ein Drittel der zirkulierenden Thrombozyten wird in der Milz gespeichert.

Die Milzgröße variiert individuell in Abhängigkeit von Körpergröße, Gewicht und Geschlecht – bei Männern ist sie in der Regel größer als bei Frauen. Splenomegalie kann sowohl als vorübergehende Reaktion auf akute Erkrankungen auftreten als auch Hinweis auf ernste akute oder chronische Grunderkrankungen sein. Die Diagnostik erfolgt entweder klinisch oder mittels bildgebender Verfahren wie Ultraschall, CT oder MRT.

Epidemiologie

Die Splenomegalie ist in westlichen Ländern eine seltene Erkrankung mit einer geschätzten Prävalenz von etwa 2% der Bevölkerung, ohne nennenswerte Unterschiede in Bezug auf Geschlecht, Alter oder ethnische Zugehörigkeit. In tropischen Regionen Asiens und Afrikas hingegen tritt sie deutlich häufiger auf, häufig im Zusammenhang mit endemischen Infektionen wie Malaria. Bei älteren Menschen besteht aufgrund einer fragiler werdenden Milzkapsel ein erhöhtes Rupturrisiko, insbesondere bei ausgeprägter Vergrößerung oder Traumata.

Pathogenese

Die Milzvergrößerung kann durch verschiedene pathophysiologische Mechanismen ausgelöst werden, die sich je nach zugrundeliegender Erkrankung unterscheiden:

Kongestive Splenomegalie

Ursache: Blutstauung durch venöse Abflussstörung

Beispiele: 

Infiltrative Splenomegalie

Ursache: Verdrängung des Milzgewebes durch nicht-milzspezifische Zellen oder abnorme Ablagerungen (z. B. Lipide, Amyloid)

Beispiele: 

Infektiöse Splenomegalie

Ursache: reaktive lymphatische Hyperplasie infolge viraler, bakterieller oder parasitärer Infektionen

Beispiele: 

Kollagenosen

Ursache: gesteigerte immunologische Aktivität und anschließende Hyperplasie

Beispiele:

Neoplastische Splenomegalie

Ursache: Neoplasien ausgehend von milzeigenen Immunzellen, die das Milzgewebe verdrängen

Beispiele:

Verstärkter Abbau veränderter oder defekter Blutzellen

Ursache: Die Milz arbeitet überaktiv, um abnorme oder überschüssige Blutzellen abzubauen.

Beispiele:

Grade der Splenomegalie

Splenomegalie

  • Länge: 12–20 cm
  • Gewicht: 400–500 g

Massive Splenomegalie

  • Länge: >20 cm
  • Gewicht: 1000 g

Symptome

Die klinische Präsentation der Splenomegalie ist oft unspezifisch. Häufig berichten Betroffene über ein vages Druckgefühl oder Schmerzen im linken Oberbauch, teils mit Ausstrahlung in die linke Schulter. Weitere Beschwerden können Blähungen, Appetitverlust und frühes Sättigungsgefühl durch mechanischen Druck auf den Magen umfassen. In vielen Fällen dominieren jedoch die Symptome der zugrundeliegenden Erkrankung: Allgemeinsymptome wie Schwäche, Gewichtsverlust oder Nachtschweiß deuten auf maligne Ursachen hin; Fieber, Frösteln und Unwohlsein sprechen für Infektionen; Lebererkrankungen können mit Ikterus oder Aszites einhergehen.

Auch hämatologische Symptome wie Blässe, Dyspnoe, vermehrte Blutungsneigung oder Petechien treten häufig auf, insbesondere bei hämolytischen Prozessen.

Begleitbefunde können auf die Ätiologie hinweisen: Lymphknotenschwellung bei infektiöser Mononukleose, Hautausschläge bei rheumatologischen Erkrankungen oder Zeichen chronischer Lebererkrankung wie Spider naevi und Hepatomegalie.

Diagnostik

Zur sicheren Diagnose einer Splenomegalie und ihrer Ursachen werden standardmäßig Labortests und bildgebende Verfahren kombiniert.

Körperliche Untersuchung

Die Milz ist normalerweise nicht tastbar, bei einer Vergrößerung kann sie jedoch unterhalb des linken Rippenbogens ertastet werden, insbesondere unter tiefer Inspiration. Ein auffälliger Befund liegt vor, wenn der Milzrand mehr als 2 cm unter dem Rippenbogen tastbar ist. Bei massiver Splenomegalie kann die Milz bis in das Becken reichen. Der Befund sollte immer durch Bildgebung bestätigt werden.

Laboruntersuchungen

Ein vollständiges Blutbild (inkl. Leukozyten, Erythrozyten, Thrombozyten sowie deren Morphologie) kann Hinweise auf einen mit Splenomegalie bedingten Hypersplenismus geben: d. h. Leukopenie, Anämie und Thrombozytopenie. 

Abhängig von der vermuteten Grunderkrankung umfassen weitere wichtige Parameter Leberwerte, Lipase, serologische Screeningtests (z. B. Rheumapanel) sowie gezielte Infektionsdiagnostik .

Zum Nachweis einer autoimmunhämolytischen Anämie als Ursache einer Splenomegalie kann zudem ein direkter Coombs-Test eingesetzt werden. Bei positivem Test liegt eine immunvermittelte Hämolyse vor, bei der Erythrozyten vermehrt in der Milz abgebaut werden. Dies kann zu einer reaktiven Splenomegalie führen. Der Coombs-Test hilft somit, hämolytische Ursachen von anderen Differenzialdiagnosen wie portaler Hypertension, Infiltrationen oder Infektionen abzugrenzen.

Bildgebung

  • Ultraschall: Die Ultraschalluntersuchung stellt eine schnelle und strahlungsfreie Alternative zum CT dar. Die Milz sollte sonographisch 13 × 7 × 6 cm (L × B × T) nicht überschreiten. 
  • CT-Abdomen: Das CT dient der detaillierten Messung der Milzgröße und Aufdeckung möglicher Ursachen wie Abszesse, Raumforderungen, vaskuläre Fehlbildungen, Zysten, entzündliche Veränderungen, intraabdominelle Lymphknotenvergrößerung oder Leberveränderungen. Die Milz weist dabei eine ähnliche Dichte wie die Leber auf.
  • Weiterführende Verfahren bei unklarem Befund: MRT, PET-CT, Leber‑Milz-Kolloidszintigrafie, ggf. Biopsie oder Splenektomie zur histologischen Abklärung.

Therapie

Die Behandlung der Splenomegalie richtet sich primär nach der zugrunde liegenden Grunderkrankung. Ziel ist es, sowohl die Ursache als auch potenzielle Komplikationen – insbesondere das Risiko einer Milzruptur – zu minimieren. Daher sollte bei allen Patienten mit Milzvergrößerung auf den Schutz vor abdominalen Traumata geachtet werden.

In unkomplizierten Fällen, etwa bei infektiöser Mononukleose, genügt oft eine körperliche Schonung. In schwereren Fällen wie bei Haarzellleukämie oder therapieresistenter Immunthrombozytopenie (ITP) kann eine Splenektomie notwendig sein. Auch bei Splenensequestration (z. B. bei Sichelzellanämie) kommen transfusionsmedizinische Maßnahmen wie Austausch- oder Erythrozytenkonzentrate zum Einsatz. In bestimmten Fällen wie der primären Myelofibrose kann eine niedrig dosierte Strahlentherapie zur Reduktion der Milzgröße beitragen.

Prognose

Die Prognose bei Splenomegalie hängt von der Grunderkrankung ab. Unabhängig von der Ursache besteht bei vergrößerter Milz stets ein erhöhtes Rupturrisiko, selbst bei geringem Trauma. Dies kann lebensbedrohlich sein und erfordert besondere Vorsicht.

Prophylaxe

Eine gezielte Prävention der Splenomegalie erfordert in erster Linie die Kontrolle und frühzeitige Behandlung der zugrunde liegenden Erkrankungen, wie Infektionen, Lebererkrankungen oder hämatologische Störungen. Regelmäßige ärztliche Kontrollen und Labordiagnostik bei Risikopatienten können helfen, eine Milzvergrößerung frühzeitig zu erkennen und therapeutisch gegenzusteuern.

Wichtig ist zudem der Schutz vor abdominalen Traumata, besonders bei bekannter Splenomegalie, um das Risiko einer Milzruptur zu minimieren. Bei Patienten mit funktioneller oder anatomischer Asplenie (z. B. nach Splenektomie) ist eine Impfung gegen Pneumokokken, Meningokokken und Haemophilus influenzae essenziell, um schwerwiegende Infektionen im Sinne eines OPSI-Syndroms (overwhelming post-splenectomy infection) zu vermeiden.

Autor:
Stand:
20.01.2026
Quelle:

Chapman J., Goyal A., Azevedo A. Splenomegaly. StatPearls [Internet] aktualisiert am 26.06.2023 [aufgerufen am 31.07.2025].

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