Was ist Exblifep und wofür wird es angewendet?
Exblifep enthält die Wirkstoffe Cefepim und Enmetazobactam, welche als Pulver für ein Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung bereitgestellt werden. Cefepim ist ein Cephalosporin-Antibiotikum der vierten Generation, das die Synthese der bakteriellen Zellwand hemmt, während Enmetazobactam ein Beta-Lactamase-Inhibitor ist, der die Hydrolyse von Cefepim verhindert und somit dessen Wirksamkeit erhöht. Die Kombination der beiden Wirkstoffe ermöglicht eine breite und effektive Behandlung gegen verschiedene gramnegative Bakterien, einschließlich solcher, die Extended-Spectrum-Beta-Lactamasen (ESBL) produzieren.
Die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) hat die Zulassung von Exblifep am 25.01.2024 empfohlen, nachdem umfangreiche klinische Studien die Sicherheit und Wirksamkeit des Medikaments bestätigt haben.
Exblifep ist indiziert für Erwachsene zur Behandlung von komplizierten Harnwegsinfektionen einschließlich Pyelonephritis sowie nosokomialer Pneumonie einschließlich beatmungsassoziierter Pneumonie. Diese schweren Infektionen erfordern häufig eine umfassende antibiotische Therapie, besonders bei Patienten, die Krankenhauskeimen ausgesetzt sind oder bei denen eine Infektion mit multiresistenten Bakterien vermutet wird.
Wie wird Exblifep angewendet?
Exblifep wird als intravenöse Infusion verabreicht. Vor der Anwendung muss das Pulver in der Durchstechflasche rekonstituiert und anschließend weiterverdünnt werden, um eine gebrauchsfertige Infusionslösung zu erhalten. Die Infusion sollte unter sterilen Bedingungen vorbereitet und verabreicht werden, um das Risiko von Infektionskomplikationen zu minimieren. Die Behandlung erfolgt typischerweise in einem Krankenhaus unter der Überwachung von medizinischem Fachpersonal.
Dosierung
Für komplizierte Harnwegsinfektionen beträgt die empfohlene Dosis 2 g Cefepim und 0,5 g Enmetazobactam alle 8 Stunden als Infusion über 2 Stunden. Bei nosokomialer Pneumonie, einschließlich beatmungsassoziierter Pneumonie, beträgt die empfohlene Dosis ebenfalls 2 g Cefepim und 0,5 g Enmetazobactam alle 8 Stunden, jedoch über eine Infusionsdauer von 4 Stunden.
Die übliche Behandlungsdauer beträgt 7 bis 10 Tage. Im Allgemeinen sollte die Behandlung mindestens 7 Tage und maximal 14 Tage dauern. Bei Patienten mit Bakteriämie kann eine Behandlung bis zu 14 Tagen notwendig sein.
Nierenfunktionsstörungen
- Empfehlung: Dosisanpassung bei eGFR < 60 ml/min
- Kontrolle: Serumkreatinin-Konzentration und eGFR mindestens täglich kontrollieren.
- Infusionsdauer bei nosokomialer Pneumonie: Unabhängig vom Grad der Nierenfunktionsstörung 4 Stunden.
Patienten mit kontinuierlichen Nierenersatzverfahren:
- Empfehlung: Höhere Dosis als bei Hämodialysepatienten.
- Anpassung: Dosis entsprechend der CRRT-Clearance (CLCRRT in ml/min) anpassen.
Leberfunktionsstörungen:
- Keine Dosisanpassung erforderlich.
Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren:
- Sicherheit und Wirksamkeit nicht erwiesen, keine Daten verfügbar.
Wie wirkt Exblifep?
Cefepim wirkt durch Hemmung der Synthese der bakteriellen Zellwand. Es bindet an Penicillin-bindende Proteine (PBPs), die für die Bildung der Zellwand verantwortlich sind, und verhindert so die Quervernetzung der Peptidoglycane, was zu einer instabilen Zellwand und schließlich zum Absterben der Bakterien führt. Enmetazobactam ist ein Beta-Lactamase-Inhibitor, der Beta-Lactamasen neutralisiert, die von Bakterien produziert werden, um Antibiotika abzubauen. Durch die Hemmung dieser Enzyme schützt Enmetazobactam Cefepim vor der Zerstörung und verstärkt somit seine antibakterielle Wirkung.
Gegenanzeigen
Exblifep darf nicht angewendet werden bei Überempfindlichkeit gegen die Wirkstoffe oder andere Cephalosporine sowie bei Patienten mit schwerer Überempfindlichkeit (z. B. anaphylaktische Reaktionen) gegen andere Beta-Lactam-Antibiotika wie Penicilline, Carbapeneme oder Monobactame.
Nebenwirkungen
Die häufigsten Nebenwirkungen, die bei der Behandlung mit Exblifep beobachtet wurden, umfassen erhöhte Alaninaminotransferase (ALT), erhöhte Aspartataminotransferase (AST), Diarrhö und Phlebitis an der Infusionsstelle. Schwerwiegende Nebenwirkungen können eine Clostridioides difficile-assoziierte Diarrhö umfassen, die von leichter Diarrhö bis zu schwerer, lebensbedrohlicher Kolitis reichen kann. Daher ist eine engmaschige Überwachung und gegebenenfalls ein Abbruch der Therapie erforderlich.
Wechselwirkungen
Bisher wurden keine spezifischen Studien zu Wechselwirkungen mit Enmetazobactam durchgeführt. Allerdings können bakterizide Antibiotika wie Cefepim in ihrer Wirkung durch bakteriostatische Antibiotika beeinträchtigt werden. Cephalosporine, einschließlich Cefepim, können die Wirkung von Cumarin-Antikoagulanzien verstärken, was eine sorgfältige Überwachung der Gerinnungsparameter erforderlich macht.
Anwendungshinweise
Folgende Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen sind bei der Anwendung von Exblifep zu beachten:
- Überempfindlichkeitsreaktionen: Schwere und gelegentlich tödliche Überempfindlichkeitsreaktionen wurden bei mit Cefepim und Cefepim-Enmetazobactam behandelten Patienten berichtet. Patienten mit Überempfindlichkeitsreaktionen gegen andere Betalactam-Antibiotika in der Anamnese können auch überempfindlich gegen Cefepim-Enmetazobactam sein.
- Nierenfunktionsstörungen: Eine Dosisanpassung wird bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion empfohlen. Reversible Enzephalopathien, Myoklonien, Krampfanfälle und/oder Nierenversagen wurden unter Cefepim/Enmetazobactam berichtet, wenn die Dosierung bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion nicht angepasst wurde.
- Clostridioides difficile-assoziierte Diarrhö (CDAD): Bei Behandlung mit Cefepim-Enmetazobactam wurde über CDAD berichtet. Eine CDAD muss bei Patienten in Betracht gezogen werden, bei denen während oder nach der Anwendung von Cefepim-Enmetazobactam Durchfälle auftreten.
- Nicht empfindliche Erreger: Die Anwendung von Cefepim-Enmetazobactam kann zu einer Verschiebung der physiologischen Flora zugunsten von nicht empfindlichen Erregern führen.
- Ältere Patienten: Keine altersabhängige Dosisanpassung erforderlich, jedoch erhöhte Wahrscheinlichkeit einer verminderten Nierenfunktion, die überwacht werden sollte.
- Einschränkungen der klinischen Daten: Begrenzte Daten zur Anwendung bei nosokomialer Pneumonie und beatmungsassoziierter Pneumonie. Die Wirksamkeit basiert auf Erfahrungen mit Cefepim-Monotherapie und pharmakokinetischen/pharmakodynamischen Analysen.
- Einschränkungen des antibakteriellen Spektrums: Cefepim ist wenig wirksam gegen grampositive Erreger und Anaerobier. Enmetazobactam hemmt bestimmte Beta-Lactamasen nicht zuverlässig. Zusätzliche Antibiotika könnten erforderlich sein.
- Wechselwirkungen mit serologischen Tests: Mögliche falsch-positive Ergebnisse beim Coombs-Test und Kupfer-Reduktions-Tests zur Glucosebestimmung. Glucosetests sollten auf der Glucose-Oxidase-Reaktion basieren.














