Proteaseinhibitoren (HIV)

HIV-Proteaseinhibitoren sind eine Klasse von antiretroviralen Medikamenten, die gezielt das für die virale Replikation essenzielle Protease-Enzym hemmen, um die Bildung reifer, infektiöser HIV-Partikel zu unterbinden. Die Wirkstoffe sind zentraler Bestandteil der Kombinationstherapie bei HIV-Infektionen, da sie die Viruslast signifikant reduzieren und die Progression zu AIDS verzögern.

Anwendung

HIV-Proteaseinhibitoren sind für die Behandlung der HIV-Infektion zugelassen. Sie sind ein zentraler Bestandteil der antiretroviralen Therapie, die darauf abzielt, die Viruslast im Körper zu reduzieren, das Immunsystem zu stärken und die Progression von HIV zu AIDS zu verzögern.

Die Medikamente werden in Kombination mit anderen antiretroviralen Wirkstoffen eingesetzt, um eine hochaktive antiretrovirale Therapie (HAART) zu bilden. Die Kombinationstherapie ist notwendig, um die Entwicklung von Resistenzen gegen einzelne Medikamente zu minimieren und die Wirksamkeit der Behandlung zu maximieren.

Die HAART umfasst eine Kombination aus drei oder vier antiretroviralen Wirkstoffen, die aus folgenden Wirkstoffgruppen stammen:

  • zwei nukleosidische Reverse-Transkriptase-Inhibitoren (NRTI)
  • ein nicht-nukleosidischer Reverse-Transkriptase-Inhibitor (NNRTI) oder
  • ein Protease-Inhibitor, der durch eine geringe Dosis Ritonavir oder Cobicistat geboostert wird oder
  • ein Integrase-Inhibitor

Wirkung

HIV-Proteaseinhibitoren wirken, indem sie spezifisch an das aktive Zentrum der HIV-Protease binden, ein für die virale Replikation kritisches Enzym, das in der späten Phase des viralen Lebenszyklus aktiv wird. Diese Bindung verhindert die proteolytische Spaltung der Gag-Pol-Polyproteinvorläufer in ihre funktionalen Einheiten, die für die Zusammenstellung und Reifung neuer Virionen notwendig sind. Ohne diese Spaltung entstehen unreife, nicht-infektiöse Viruspartikel, die nicht in der Lage sind, Zellen zu infizieren und die Infektion weiterzutragen.

Durch die Hemmung der Protease wird somit der Lebenszyklus von HIV effektiv unterbrochen, was zu einer Verringerung der Viruslast im Körper des Patienten führt. Diese Wirkungsweise macht HIV-Proteaseinhibitoren zu einem wesentlichen Bestandteil der HAART, die darauf abzielt, die HIV-Infektion zu kontrollieren und die Progression zu AIDS zu verzögern.

Protease-Inhibitoren

Nebenwirkungen

Typische Nebenwirkungen von HIV-Proteaseinhibitoren umfassen:

  • Gastrointestinale Beschwerden: Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Bauchschmerzen sind häufige Nebenwirkungen, die bei einigen Patienten auftreten können.
  • Lipodystrophie: Veränderungen in der Körperfettverteilung, einschließlich Fettansammlung (Lipohypertrophie) und Fettverlust (Lipoatrophie), können vorkommen. Dies betrifft oft das Gesicht, den Nacken, den Bauch und andere Körperbereiche.
  • Hyperlipidämie: Erhöhte Blutfettwerte, einschließlich Cholesterin und Triglyceride, sind eine bekannte Nebenwirkung und erhöhen das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
  • Insulinresistenz und Diabetes: Diese Medikamente können den Blutzuckerspiegel beeinflussen und zu einer Insulinresistenz oder einem Diabetes mellitus führen.
  • Lebertoxizität: Einige Proteaseinhibitoren können die Leberfunktion beeinträchtigen, was zu erhöhten Leberenzymwerten und in seltenen Fällen zu schwerwiegender Leberschädigung führen kann.
  • Hautausschläge: Hautreaktionen sind bei einigen Patienten möglich und reichen von milden Ausschlägen bis hin zu schweren Hautreaktionen.
  • Erhöhtes Blutungsrisiko: Bei Patienten mit Hämophilie können Proteaseinhibitoren das Risiko für Blutungen erhöhen.
  • Kardiovaskuläre Risiken: Neben der Hyperlipidämie können einige Proteaseinhibitoren das Risiko für Herzinfarkt und andere kardiovaskuläre Ereignisse erhöhen.

Wechselwirkungen

  • Proteaseinhibitoren werden durch das Cytochrom P450-Enzymsystem, insbesondere CYP3A4, metabolisiert und können teilweise auch als starke Inhibitoren dieses Enzyms wirken.
  • Ritonavir erhöht beispielsweise die Plasmaspiegel anderer Proteaseinhibitoren, da er ein starker CYP3A4-Inhibitor ist. Aus diesem Grund wird der Wirkstoff auch als sogenannte Boosterung verwendet. Hierbei werden andere Proteaseinhibitoren mit niedrig dosiertem Ritonavir kombiniert, damit Ritonavir deren Wirkung verbessert.

Kontraindikationen

Die spezifischen Kontraindikationen für HIV-Proteaseinhibitoren können je nach Wirkstoff variieren, weshalb diese der Fachinformation des jeweiligen Medikaments zu entnehmen sind.

Wirkstoffe

Folgende Wirkstoffe gehören zu der Wirkstoffgruppe der HIV-Proteaseinhibitoren:

  • Saquinavir: Erster Vertreter der HIV-Proteaseinhibitoren, der im Jahr 1995 zugelassen wurde.
  • Ritonavir: Wird oft in Kombination mit anderen antiretroviralen Arzneimitteln verwendet, um die Wirkung zu verstärken.
  • Indinavir: Einer der früheren Proteaseinhibitoren, der in der Behandlung von HIV eingesetzt wird.
  • Darunavir: Ein neuerer Proteaseinhibitor mit verbesserter Wirksamkeit und Resistenzprofil, häufig in Kombination mit anderen Medikamenten verwendet.
  • Atazanavir: Bekannt für seine einmal tägliche Dosierung und geringere Nebenwirkungen auf den Lipidspiegel.
  • Nelfinavir: Seit Januar 2013 nicht mehr auf dem europäischen Markt erhältlich.
  • Amprenavir: Die Zulassung für Amprenavir in der EU erlosch im Jahr 2011.
  • Fosamprenavir: Ein Prodrug von Amprenavir, das eine verbesserte Pharmakokinetik bietet.
  • Atazanavir: Ist in Kombination mit niedrig dosiertem Ritonavir und anderen HIV-Therapeutika indiziert zur Behandlung von HIV-1-infizierten Erwachsenen und Kindern ab 6 Jahren.
Autor:
Stand:
29.02.2024
Quelle:
  1. Fachinformationen der einzelnen Wirkstoffe
  2. Steinhilber, Dieter, Manfred Schubert-Zsilavecz, and Hermann Roth. "Medizinische Chemie." (2017).
  • Teilen
  • Teilen
  • Teilen
  • Drucken
  • Senden
Orphan Disease Finder
Orphan Disease Finder

Hier können Sie seltene Erkrankungen nach Symptomen suchen: