FcRn-Inhibitoren

FcRn-Inhibitoren blockieren den neonatalen Fc-Rezeptor und beschleunigen so den Abbau von IgG-Antikörpern. Sie werden bei generalisierter Myasthenia gravis und CIDP eingesetzt und sind ein vielversprechender Ansatz zur Therapie autoantikörpervermittelter Erkrankungen.

Anwendung

FcRn-Inhibitoren sind derzeit primär indiziert bei: 

  • Generalisierte Myasthenia gravis 
  • Chronisch inflammatorische demyelinisierende Polyneuropathie (CIDP)

Der Einsatz setzt in der Regel den Nachweis pathogener Autoantikörper und ein unzureichendes Ansprechen auf konventionelle Immunsuppression voraus.

Weitere klinische Studien untersuchen die Wirksamkeit von FcRn-Inhibitoren bei anderen IgG-vermittelten Erkrankungen, z. B.:

Wirkmechanismus

FcRn-Inhibitoren blockieren den neonatalen Fc-Rezeptor (FcRn). Unter physiologischen Bedingungen schützt FcRn zirkulierendes IgG vor lysosomalem Abbau, indem es IgG intrazellulär bindet und wieder in den Kreislauf zurückführt.

Efgartigimod alfa, Rozanolixizumab und Nipocalimab hemmen diese FcRn-IgG-Interaktion. Dadurch wird das Recycling unterbunden und IgG vermehrt abgebaut. Die Folge ist eine dosisabhängige Absenkung der Gesamt-IgG-Spiegel, einschließlich pathogener IgG-Autoantikörper.

Andere Immunglobulinklassen wie IgA, IgE oder IgM bleiben unbeeinflusst. Efgartigimod alfa und Rozanolixizumab zeigen keine klinisch relevanten Effekte auf den Albuminspiegel, da sie selektiv die IgG-Bindungsstelle des FcRn blockieren. Nipocalimab kann hingegen eine vorübergehende Hypalbuminämie verursachen, was auf eine partielle Beeinflussung der Albumin-FcRn-Interaktion hinweist.

Da IgG-Autoantikörper eine zentrale Rolle in der Pathogenese IgG-vermittelter Autoimmunerkrankungen spielen, beispielsweise durch Bindung an AChR, muskelspezifische Kinase (MuSK) oder lipoproteinrezeptorverwandtes Protein 4 (LRP4) bei Myasthenia gravis oder durch autoreaktive Antikörper gegen nodale und paranodale Proteine bei CIDP, führt ihre Reduktion zu einer Abschwächung der krankheitsverursachenden Immunreaktion.

Der therapeutische Effekt beruht somit auf einer gezielten, reversiblen Senkung pathogener IgG-Autoantikörper.

Nebenwirkungen

Zu den häufigen Nebenwirkungen, die während einer Therapie mit FcRn-Inhibitoren auftreten können, zählen:

  • Infektionen: Insbesondere Infektionen der oberen Atemwege und Harnwegsinfektionen 
  • Kopfschmerzen: Sehr häufig berichtet, einschließlich Migräne 
  • Reaktionen an der Injektionsstelle: Erytheme, Schmerzen oder Schwellungen (bei subkutaner Anwendung)
  • Gastrointestinale Beschwerden: Durchfall, Übelkeit
  • Myalgi
  • Fieber

Substanzspezifische Hinweise:

  • Efgartigimod alfa: Häufig Atemwegs- und Harnwegsinfektionen.
  • Rozanolixizumab: Sehr häufig Kopfschmerzen, Durchfall und Fieber. Es gibt Hinweise auf mögliche (seltene) aseptische Meningitis.
  • Nipocalimab: Zusätzlich kann eine vorübergehende Hypalbuminämie und Hypercholesterinämie auftreten.

Die vollständigen Angaben können der jeweiligen Fachinformation entnommen werden.

Wechselwirkungen

Folgende Wechselwirkungen sind bei der Anwendung von FcRn-Inhibitoren zu beachten:

IgG-basierte Arzneimittel

FcRn-Inhibitoren fördern den Abbau von IgG und können dadurch die Serumspiegel von intravenösen Immunglobulinen, IgG-basierten monoklonalen Antikörpern und Fc-Fusionsproteinen senken. Eine verminderte Wirksamkeit ist möglich. Der Therapiebeginn solcher Präparate sollte möglichst 2 Wochen nach der letzten Dosis erfolgen. Bei Kombination ist eine engmaschige Kontrolle erforderlich.

Plasmaaustausch und Immunadsorption

Plasmaaustausch, Plasmapherese oder Immunadsorption können die Spiegel von FcRn-Inhibitoren reduzieren und deren Wirkung abschwächen.

Impfstoffe

Die Reduktion der IgG-Spiegel kann die Impfantwort beeinträchtigen. Lebendimpfstoffe werden während der Therapie nicht empfohlen. Falls erforderlich, sollten sie mindestens 4 Wochen vor Therapiebeginn oder frühestens 2 Wochen nach der letzten Dosis verabreicht werden.

CYP-Wechselwirkungen

Klassische CYP-vermittelte Wechselwirkungen bestehen nicht.

Kontraindikationen

Die Anwendung von FcRn-Inhibitoren ist generell kontraindiziert bei:

  • Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff

Alternativen

Zu den etablierten oder ergänzenden Behandlungsoptionen für autoantikörpervermittelte Erkrankungen gehören:

FcRn-Inhibitoren ermöglichen eine gezielte Reduktion pathogener IgG-Antikörper und kommen insbesondere bei refraktärem Verlauf oder Unverträglichkeiten gegenüber Standardtherapien in Betracht.

Wirkstoffe

Efgartigimod alfa 

  • Zusatz zur Standardtherapie bei erwachsenen Patienten mit generalisierter Myasthenia gravis bei einem Nachweis von Anti-Acetylcholin-Rezeptor (AChR)-Antikörpern
  • Monotherapie bei erwachsenen Patienten mit progredienter oder rezidivierender aktiver chronisch-entzündlicher demyelinisierender Polyneuropathie nach unzureichendem Ansprechen auf Kortikosteroide oder Immunglobuline

Rozanolixizumab 

  • Zusatz zur Standardtherapie bei erwachsenen Patienten mit generalisierter Myasthenia gravis bei einem Nachweis von Antikörpern gegen AChR oder MuSK

Nipocalimab 

  • Zusatz zur Standardtherapie bei erwachsenen und jugendlichen Patienten ab 12 Jahren mit generalisierter Myasthenia gravis bei einem Nachweis von Antikörpern gegen AChR oder MuSK

Batoclimab

  • Aktuell in klinischen Studien zur Behandlung von Myasthenia gravis
Autor:
Stand:
05.08.2026
Quelle:
  1. Freissmuth et al., Pharmakologie und Toxikologie, 2020, Springer.
  2. S2k Leitlinie Diagnostik und Therapie myasthener Syndrome. AWMF-Registernummer: 030/087, Version 7.0 vom 12. November 2024.
  3. Yang et al. (2025): From promise to practice: evaluating the clinical impact of FcRn inhibition in IgG-mediated autoimmune rheumatic diseases. Front. Immunol, DOI: 10.3389/fimmu.2025.1656937.
  4. Fachinformationen Efgartigimod alfa.
  5. Fachinformationen Rozanolixizumab.
  6. Fachinformationen Nipocalimab.
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