Der Verband der forschenden Pharma-Unternehmen (vfa) hat für das Jahr 2026 einen Ausblick auf Arzneimittel veröffentlicht, die kurz vor einer möglichen Markteinführung stehen. Dieser Ausblick ist jedoch mit besonderen Unsicherheiten verbunden. Nach Angaben des vfa beeinflussen hohe gesetzlich vorgegebene Rabatte in Deutschland, internationale Preisreferenzierungsmodelle wie der sogenannte „Most Favored Nation“-Ansatz in den USA sowie weitere regulatorische Faktoren die Entscheidungen der Unternehmen zur Markteinführung.
Stand der europäischen Zulassungsverfahren
Trotz der Unsicherheiten befinden sich zahlreiche Arzneimittel in einem fortgeschrittenen Stadium des europäischen Zulassungsprozesses. Für 14 Arzneimittel, darunter auch Impfstoffe, hat die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) zuletzt eine Zulassungsempfehlung ausgesprochen. In der Regel folgt darauf die formelle Zulassung durch die EU-Kommission.
Darüber hinaus laufen für mehr als 30 weitere Wirkstoffe Verfahren, bei denen eine Entscheidung im Jahr 2026 erwartet wird. Auffällig ist zudem, dass seit 2022 für mehr als zwei Dutzend Arzneimittel trotz bestehender EU-Zulassung bislang keine Markteinführung in Deutschland erfolgt ist.
Erwartete Schwerpunkte in der Onkologie
Sollte ein wesentlicher Teil der potenziellen Neueinführungen realisiert werden, könnte nach Einschätzung des vfa rund ein Drittel der neuen Arzneimittel auf die Krebstherapie entfallen. Dazu zählen neue Optionen für kleinzelliges und nicht-kleinzelliges Lungenkarzinom, Blasenkrebs und Mammakarzinom sowie für weitere Tumorentitäten wie Eierstock- und Eileiterkrebs, Gallengangkarzinome, Sarkome, bestimmte Hirntumoren und das Multiple Myelom.
Die Wirkstoffe decken unterschiedliche Arzneimittelklassen ab, darunter Kinasehemmer, Checkpoint-Inhibitoren, Antikörper-Wirkstoff-Konjugate, CAR-T-Zell-Therapeutika und bispezifische Antikörper. Diese Vielfalt spiegelt den anhaltenden Forschungsfokus auf differenzierte immunonkologische und zielgerichtete Therapieansätze wider.
Neue Ansätze bei Diabetes Typ 1
Für Diabetes Typ 1 wird erstmals ein Arzneimittel genannt, das bei früh erkannter Erkrankung eingesetzt werden könnte. Nach Studiendaten kann mit diesem Ansatz der Übergang in das symptomatische Stadium bei rechtzeitiger Diagnose im Mittel um etwa zwei Jahre verzögert werden. Die Insulintherapie bleibt weiterhin zentraler Bestandteil der Behandlung, könnte jedoch perspektivisch ergänzt werden.
Impfstoffe und antivirale Therapien bei Infektionskrankheiten
Im Bereich der Infektionskrankheiten kommen für 2026 unter anderem neue Impfstoffe in Betracht. Dazu zählt ein Kombinationsimpfstoff gegen saisonale Influenza und Covid-19 auf Basis der mRNA-Technologie. Zusätzlich werden reine Influenza-Impfstoffe auf mRNA-Plattformen entwickelt, für die bislang jedoch kein EU-Zulassungsantrag gestellt wurde.
Darüber hinaus könnten neue Arzneimittel zur Behandlung von Covid-19 im Frühstadium sowie bei schweren Verläufen mit Atemnot verfügbar werden. Demgegenüber gelten Neueinführungen von Antibiotika als unwahrscheinlich, da sich derzeit keine entsprechenden Wirkstoffe im EU-Zulassungsverfahren befinden.
Orphan Drugs und Gentherapien bei seltenen Erkrankungen
Knapp ein Drittel der möglichen Neueinführungen trägt den europäischen Orphan-Drug-Status. Diese Arzneimittel richten sich an Patienten mit seltenen Erkrankungen, darunter genetisch bedingte Stoffwechselstörungen wie Niemann-Pick Typ C, die Adrenoleukodystrophie oder die Thymidin-Kinase-2-Defizienz.
Für das Wiskott-Aldrich-Syndrom könnte erstmals eine Gentherapie verfügbar werden. Weitere Gentherapien werden dann überwiegend ab 2027 erwartet.
Weitere Indikationsgebiete
Neben den genannten Schwerpunkten werden für 2026 auch neue Behandlungsoptionen in weiteren Indikationsgebieten erwartet, darunter Lungenfibrose, Hypercholesterinämie, Akne, Wechseljahresbeschwerden und die primär sklerosierende Cholangitis.
Rahmenbedingungen als limitierender Faktor für die Versorgung
Somit zeichnen sich für 2026 zahlreiche therapeutische Innovationen ab. Deren tatsächliche Verfügbarkeit in Deutschland hängt jedoch von regulatorischen und wirtschaftlichen Faktoren ab. Entscheidungen auf europäischer und nationaler Ebene bestimmen, ob und wann diese Arzneimittel in der Versorgung ankommen.









