Neue Leitlinie: Evidenzbasierte Therapie bei atopischer Dermatitis im Kindesalter

Neue Leitlinien der American Academy of Dermatology zeigen: Für die kindliche atopische Dermatitis gibt es zahlreiche evidenzbasierte Therapieoptionen, während wirksame Präventionsstrategien fehlen.

Leitlinien Wegweiser

Die atopische Dermatitis ist eine chronisch-entzündliche Hauterkrankung mit hoher Prävalenz im Kindesalter. Charakteristisch sind rezidivierende Ekzeme, Juckreiz und trockene Haut, die die Lebensqualität der betroffenen Patienten und ihrer Familien erheblich beeinträchtigen.

Vor dem Hintergrund zahlreicher neuer Therapieoptionen seit der letzten AAD-Leitlinie aus dem Jahr 2014 hat eine multidisziplinäre Arbeitsgruppe der American Academy of Dermatology (AAD) eine aktualisierte Leitlinie erarbeitet und im 'Journal of the American Academy of Dermatology' veröffentlicht. Sie soll die Behandlung der atopischen Dermatitis bei Kindern und Jugendlichen auf eine aktuelle evidenzbasierte Grundlage stellen.

27 evidenzbasierte Empfehlungen auf Grundlage systematischer Analyse

Ziel der Leitlinie war es, evidenzbasierte Empfehlungen zur Behandlung der atopischen Dermatitis bei Kindern und Jugendlichen zu formulieren. Hierzu führte die Arbeitsgruppe eine systematische Literaturrecherche durch und bewertete die Evidenz mithilfe des GRADE-Ansatzes. Auf dieser Basis wurden insgesamt 27 Empfehlungen entwickelt, die sowohl topische als auch systemische Therapien sowie physikalische Verfahren umfassen.

Eine Einschränkung der Datenlage besteht darin, dass viele randomisierte Studien nur eine kurze Beobachtungsdauer aufweisen, sodass Aussagen zur Langzeitsicherheit und -wirksamkeit begrenzt sind.

Breites Therapiespektrum von topischer Basistherapie bis Systemtherapie

Die Leitlinie spricht starke Empfehlungen für eine Reihe etablierter und neuer Therapieoptionen aus.

Zu den topischen Standardtherapien zählen:

Darüber hinaus gehören auch neuere topische Wirkstoffe wie Phosphodiesterase-4-Inhibitoren (z. B. Crisaborol, Roflumilast) zur Reduktion von Juckreiz und Schubhäufigkeit sowie topische Januskinase-Inhibitoren (z. B. Ruxolitinib) und Tapinarof zur Behandlung leichter bis moderater Verläufe zu den Therapieempfehlungen.

Im Bereich der systemischen Therapie werden Biologika wie Dupilumab, Tralokinumab, Lebrikizumab und Nemolizumab sowie orale Januskinase-Inhibitoren (Upadacitinib, Abrocitinib, Baricitinib) bei moderater bis schwerer Erkrankung mit starker Evidenz empfohlen, jeweils in Kombination mit topischer Therapie.

Bedingte Empfehlungen für Zusatzmaßnahmen, klare Grenzen bei einzelnen Verfahren

Neben medikamentösen Therapien bewertet die Leitlinie auch unterstützende Maßnahmen.

Bäder, antiseptische Waschungen (Bleach Baths), feuchte Verbände (Wet Wraps) sowie Phototherapie erhalten jeweils bedingte Empfehlungen zugunsten ihrer Anwendung. Auch klassische systemische Immunsuppressiva wie Methotrexat, Mycophenolat mofetil, Azathioprin und Ciclosporin werden unter bestimmten Voraussetzungen berücksichtigt.

Der Einsatz topischer antimikrobieller Therapien sowie der PUVA-Phototherapie wird nur eingeschränkt befürwortet und eher nicht empfohlen. Eine klare Abgrenzung erfolgt gegenüber systemischen Kortikosteroiden: Deren langfristige Anwendung wird von der Leitlinie ausdrücklich nicht empfohlen.

Prävention weiterhin ohne überzeugende Evidenz

Ein zentrales Ergebnis der zugrunde liegenden Evidenzbewertung ist das Fehlen wirksamer Präventionsstrategien. Für Maßnahmen wie spezielle Diäten, Verzicht auf Baden, Nahrungsergänzungsmittel, Stillen oder Allergenvermeidung konnte keine ausreichende Evidenz zur Verhinderung der Krankheitsentstehung gezeigt werden. Lediglich für den Einsatz von Feuchtigkeitspflege bei Säuglingen wurde eine bedingte Empfehlung zur möglichen Reduktion des Erkrankungsrisikos formuliert.

Damit bleibt die Prävention der atopischen Dermatitis weiterhin eine ungelöste Herausforderung.

Fazit: Klare Therapieorientierung durch evidenzbasierte Leitlinienstruktur

Die aktualisierte Leitlinie stellt eine umfassende evidenzbasierte Grundlage für die Behandlung der atopischen Dermatitis im Kindesalter dar. Sie integriert etablierte und neuere Therapieansätze und strukturiert deren Einsatz nach Evidenzgrad.

Autor:
Stand:
16.04.2026
Quelle:

[1] Davis, D.M.R. et al. (2026): Guidelines of care for the management of atopic dermatitis in pediatric patients. Journal of the American Academy of Dermatology, DOI: 10.1016/j.jaad.2026.02.113.

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