Anästhetika Kompakt

Kurzüberblick über gebräuchliche Anästhetika mit ihren Vor- und Nachteilen sowie Hinweise zur Auswahl je nach Patientenzustand und OP-Typ.

Narkosemittel

Volatile Anästhetika (Inhalationsanästhetika)

  • Sevofluran 
    • Vorteile: Geringe Atemwegsirritation, schnelle An- und Abflutung, gute Steuerbarkeit, hämodynamisch stabil (vorteilhaft bei kardialen Risikopatienten)
    • Nachteile: Schwache Analgesie, theoretisch nephrotoxisch im Tierversuch, keine Hinweise auf Toxizität beim Menschen
  • Desfluran 
    • Vorteile: Sehr kurze An- und Abflutungszeit
    • Nachteile: Atemwegsreizend, nicht zur inhalativen Narkoseeinleitung geeignet, geringe analgetische Wirkung
      Hinweis: Alle volatilen Anästhetika können den intrakraniellen Druck (ICP) erhöhen und sind bei maligner Hyperthermie kontraindiziert.

Intravenöse Anästhetika (IV-Anästhetika)

  • Propofol 
    • Vorteile: Schnelles Erwachen, antiemetisch, senkt ICP, starke Dämpfung der Atemwegsreflexe, geeignet für TIVA (totale intravenöse Anästhesie)
    • Nachteile: Injektionsschmerz, Risiko für Infektionen (Lipidemulsion), ausgeprägte Kreislaufdämpfung
  • Thiopental 
    • Vorteile: Erhöht Krampfschwelle, senkt ICP
    • Nachteile: Kreislaufdämpfung, Porphyrieauslösung, Histaminfreisetzung, Gewebsnekrosen bei Paravasation
  • Etomidat 
    • Vorteile: Kaum Herz-Kreislauf-Wirkung, keine Histaminfreisetzung
    • Nachteile: Venenschmerzen, Myoklonien, Hemmung der Kortisolsynthese, keine Analgesie
  • Ketamin  
    • Vorteile: Verschiedene Applikationswege, Schutzreflexe bleiben erhalten, Kreislaufstimulation (gut bei Hypovolämie)
    • Nachteile: Dissoziative Anästhesie, Halluzinationen, ICP/IOP-Anstieg, vermehrte Sekretion, ungünstig bei KHK/Hypertonie

Opiate und Opioide

  • Morphin 
    • Vorteile: Lange Wirkdauer, lindert Atemnot
    • Nachteile: Langsamer Wirkeintritt, Kumulation bei Niereninsuffizienz
  • Fentanyl 
    • Vorteile: Sehr potent, geringe Kreislaufwirkung, keine Leber-/Nierentoxizität
    • Nachteile: Kumulation bei wiederholter Gabe, Atemdepression
  • Sufentanil, Alfentanil, Remifentanil, Dipidolor 
    • Je nach Substanz: Unterschiedliche Potenz, Wirkdauer und Kumulationsgefahr, spezielle Einsatzgebiete (z.B. Remifentanil für TIVA)

Muskelrelaxantien

Weitere wichtige Medikamente

Hinweise:

  • Die Auswahl des Anästhetikums richtet sich nach Patientenzustand, Begleiterkrankungen und OP-Typ.
  • Viele Medikamente haben spezifische Nebenwirkungen und Kontraindikationen, die bei der Auswahl berücksichtigt werden müssen.
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Stand:
16.12.2025
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