Indikationen
- Erstlinientherapie bei Hypercholesterinämie bzw. gemischten Hyperlipidämien (insb. bei Diabetes Typ 2) sowie zur Primär- und Sekundärprophylaxe kardiovaskulärer Ereignisse. Ziel ist oft ein LDL-Abfall auf < 100 mg/dl (oder < 70 mg/dl bei Hochrisikopatienten).
- Einnahme: Üblich 1 × täglich oral, bevorzugt abends (da nachts die körpereigene Cholesterinsynthese am höchsten ist).
Wirkmechanismus und -wirkung
Statine hemmen kompetitiv die HMG-CoA-Reduktase in der Leber, den Schrittmacher der Cholesterinsynthese. Durch den cholesterinbedingten Mangel erhöhen Leberzellen die LDL-Rezeptordichte, was zu vermehrter Aufnahme von LDL-Cholesterin aus dem Blut führt.
- Effekt: Dosisabhängige LDL-Senkung (bis zu ≈ 30–50 % Reduktion), moderate Senkung von Triglyceriden und leichter Anstieg von HDL.
- Pleiotrope Effekte: Zusätzlich wirken Statine endothelprotektiv und entzündungshemmend sowie thrombozytenhemmend, stabilisieren atherosklerotische Plaques.
Nebenwirkungen
- Muskeln: Myalgien sind häufig (ca. 5–10 %); selten kommt es zu Myopathie bzw. Rhabdomyolyse (Risiko ↑ bei Niereninsuffizienz oder bestimmten Begleitmedikamenten).
- Leber/Gastrointestinal: Transaminasenanstieg (Leberwert-Erhöhung) ist möglich. Gelegentlich treten Dyspepsie, Flatulenz oder Kopfschmerz auf.
- Stoffwechsel: Leicht erhöhtes Diabetes-2-Risiko beschrieben.
- Monitoring: Bei Muskelschmerzen Kreatinkinase (CK) prüfen – eine bis etwa fünffache Erhöhung bleibt meist tolerabel.
Wechselwirkungen
- CYP450-Beteiligung: Die meisten Statine (außer Pravastatin, Rosuvastatin) werden über CYP3A4 verstoffwechselt. CYP3A4-Inhibitoren (z.B. Ketoconazol, Erythromycin/Clarithromycin, Verapamil, HIV-Proteasehemmer) können Statinspiegel erhöhen und Myopathierisiko steigern.
- Grapefruit: Insbesondere Simvastatin, Atorvastatin und Lovastatin zeigen Wechselwirkung mit Grapefruitsaft (Myopathiesteigerung); Rosuvastatin/Pravastatin sind weitgehend unproblematisch.
- Antikoagulantien: Statine können die Wirkung von Vitamin K-Antagonisten oder DOAKs verstärken (erhöhtes Blutungsrisiko).
- Sonstige: Fluvastatin wird über CYP2C9 metabolisiert (Interaktionen z.B. mit Phenytoin); Pravastatin/Rosuvastatin kaum über Cytochrome.
Kontraindikationen
- Absolut: Aktive Lebererkrankung oder unerklärte Transaminasen-Erhöhung, Muskelerkrankungen/Myopathien (z.B. Myasthenia gravis), Schwangerschaft und Stillzeit, sowie Überempfindlichkeit gegen Statine.
Wirkstoffe
- Vertreter: Simvastatin, Atorvastatin, Rosuvastatin, Fluvastatin, Pravastatin, Pitavastatin, Lovastatin.
- Hinweis: Cerivastatin wurde 2001 wegen tödlicher Rhabdomyolysen (oft in Kombinationen) vom Markt genommen.
Alternativen (zweite Wahl)
- Cholesterinabsorption hemmen: Ezetimib (monotherapeutisch oder in Kombination); Gallensäurebinder (z.B. Colestyramin, Colesevelam) und Phytosterole.
- Fibrate: Fenofibrat oder Bezafibrat können LDL mäßig senken; Kombination mit Statinen nur in Ausnahmefällen (Gemfibrozil meiden wegen Wechselwirkungen).
- PCSK9-Inhibitoren: Monoklonale AK wie Evolocumab oder Alirocumab (Senken LDL um ~50–60 %); auch Inclisiran (siRNA).
- Sonstige: Mipomersen (ApoB-Antisense, nur USA zugelassen), Lomitapid (MTP-Hemmer, v.a. familiäre Hypercholesterinämie), Bempedoinsäure (ATP-Citrat-Lyase-Inhibitor, ggf. zusätzlich zu Ezetimib/Statin).










